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Die Menschenfreunde
Geschichten vom Boulevard
Erst das Höschen und dann?
Es gibt Menschen, die leben mit ihren Stars als wären sie gute Freunde. Wer hätte nicht gerne einen Star als Freund, der einem ab und zu ein bisschen Knete leiht, der vielleicht Gedichte oder Lieder über einen schreibt? Die Oma freut sich, wenn im Fernsehen die Berge fröhlich jodeln. Die Kids flippen bei der neuen Boygroup regelrecht aus und die Stars hängen in ihren Zimmern und reden von den Wänden, wenn die armen Mädchen wieder mal die Welt, die Jungs oder die Eltern nicht verstehen. Sie schlagen die Zeitschrift auf und schon lächelt ihnen ein Star entgegen. Sie sitzen vor der Glotze und auch dort wimmelt es nur von Stars. Wir sind von Stars umzingelt und können nicht mehr ohne sie leben.
Auch Franca S. aus dem schönen Berlin liebt die Stars. Sie ist Kunststudentin und treibt sich gerne in den einschlägigen Bars herum. Und wie es Aphrodite so wollte, war an einem Abend der Megastar Jonny Black mit seinen Kumpels in der Promibar. Sie hatten jede Menge Spaß, bis der Drummer Franca an der Bar bemerkte und ihr einen Wink gab. Franca spielte das liebe Mädchen und Jonny gefiel die süße Franca und nahm sie mit auf sein Zimmer. Dass sie dort nicht Shakespeare gelesen haben, versteht sich. Romeo war gerade in einer Spelunke und verzockte sein letztes Geld und Julia strickte sich warme Wollsocken für den kommenden Winter. Unser Jonny, der Sexgott unter den Sexgöttern, gab der Kunststudentin eine Lehrstunde in Sachen wahrer Liebe. Franca kam nach zwei Stunden wieder frisiert an die Bar zurück, wo ich gerade gemütlich einen Cocktail schlurfe. Sie blickt etwas verlegen und ich frage sie einfach. „Na, was war los?“ „Ach nichts weiter. Ich habe es nur gerade mit Jonny getrieben.“ Ich bin zuerst nicht weiter interessiert und merke erst nach ein paar Sekunden, dass dies doch eine gute Story für die „Sonne“ wäre. Sie gibt mir ihre Telefonnummer und wir machen einen Termin bei uns in der Redaktion aus.
Ein paar Wochen später ruft mich Franca an und heult mir eine tränenreiche Story vor und das ihr der liebe Jonny so fehle. Ich kann ihr da auch nicht helfen und sage nur so aus Spaß. „Geh doch zu einer Wahrsagerin und frage sie. Vielleicht weiß sie, wann ihr euch wieder seht.“ Gesagt, getan. Und nun habe ich einen Termin bei einer Wahrsagerin. Ich glaube eigentlich nicht an so einen Quatsch. Aber was tut man nicht alles, um seine Brötchen zu verdienen.
Franca ist schon ganz nervös und ihre kindliche Hektik lässt mich innerlich nur lachen. Ich lache wie ein Lausbub und frage mich, warum macht sie sich denn so verrückt? Ist ein Star von einem anderen Stern und was hat Jonny Black schon, was andere Männer nicht haben? Aber wenn du den Medienhype mitmachst und du auf der Welle des Erfolgs schwimmst, fühlst du dich wohl wie ein Surfer, der immer auf den Wellen reitet und die nächste Welle muss immer höher sein. Das ist der Kick und der macht süchtig. Meine Oma sagte ja immer. Es gibt Menschen, die können einfach nicht genug bekommen.
Die Wahrsagerin in Wedding schaut aus wie eine alte Oma, die ihr Hexeneinmaleins kennt. Freundlich begrüßt sie uns und wir trinken erst mal ein Tässchen Kaffe. Und dann kommt es zum großen Showdown. Rosa Schlüpfer, so heißt die gute, alte Frau wirklich, holt ihre Glaskugel aus dem Schrank und das Spektakel kann beginnen. „Haben sie auch etwas dabei, das ihr Jonny berührt hat?“ Franca holt ein weißes Baumwollhöschen aus ihrer Handtasche und legt es auf den Tisch. Ein Baumwollhöschen scheint das beste Versuchselement zu sein, um zu erfahren, wann Jonny wieder kommt. Ach Jonny, komm bald wieder, wieder zu mir. Mancher Höschenfetischist wird sich jetzt fragen, ob das Höschen im Originalzustand vor Lust und Verkehr sein soll oder ob es auch gewaschen sein darf. Ein Höschen wird uns jetzt sagen, wann aus diesem One-Nigt-Stand mehr wird. Unglaublich, unglaublich, ich bin entzückt. Oma Schlüpfer nimmt also das Höschen und reibt es an ihrer Glaskugel. Sie reibt und reibt, schließt die Augen und wie in Trance murmelt sie. „Ich sehe Trauer, Schmerz und Liebeskummer in diesem Höschen. Aber seien sie beruhigt. An Weihnachten werden sie ihren Jonny wiedersehen.“ Und Franca strahlt wie eine frisch verliebte Mona Lisa. Ein freudiges Lächeln huscht über ihre Lippen. „Ich habe es gewusst. Eine Frau spürt das. Es geht einfach nichts über weibliche Intuition.“
Ich sitze brav, wie ein Kind am Kindertisch und frage mich nur. Wie funktioniert eigentlich dieser ganze Humbug? Sitzen da in der Glaskugel lauter kleine Japaner oder Zwerge, die der Oma Schlüpfer irgendwelchen Blödsinn einflüstern? Ich weiß es nicht und will es eigentlich nicht wissen. Ich habe eine nette Story und das reicht mir.
Aber ich hätte nicht gedacht, dass man Frauen so einfach glücklich machen kann. Man merke. Erst das Höschen an der Glaskugel reiben und schon ist Weihnachten.
Die wahre Wahrheit
Als die Mauer fiel, habe ich mir mit meinen Freunden kräftig einen hinter die Kiemen gegossen. Wie so oft haben wir gesoffen, philosophiert und gerätselt. Welches Menschenbild hatte Marx eigentlich vor Augen, als er in seinen Schriften den kommunistischen Menschen probagierte? Marx hat sich in Wahrheit wenig dazu geäußert. Er sah im Kommunismus den neuen Menschen als aufgelöstes Rätsel, der die wahrhafte Auflösung des Widerstreits zwischen dem Menschen mit der Natur und dem Menschen ist. Alles klar? Der Mensch ist also das Problem und die Lösung zugleich. Marx wollte die befreite, voll entfaltete Einzelpersönlichkeit.
Die Theorie klingt meist immer besser als die Praxis, die Realität. Die Probleme des Landes waren groß. Sie waren sehr groß und immer mehr Menschen wollten sich nicht mehr diktieren lassen, wie sie zu leben hatten. Wir sind das Volk. Des Volkes Stimme erhob sich und war am Schluss ganz volker, wie die Mauer fiel. Mir war klar, dass Amerika als Hort der Freiheit, vielleicht politisch frei war, aber gesellschaftlich auch seine Schattenseiten hat. Man merke. Freiheit ist nicht gleich Freiheit. Der schöne Schein des freien Kapitals hinterlässt allzu oft einen faden, bitteren Beigeschmack und die Kaufrauschtempel des Konsums beglücken oft nur phasenweise. Auch wenn die Gier fast unersättlich scheint, so schwelgen wir in einer Kultur des Habens und vergessen oft das Sein.
Annie hat sich wohl nie auf meine Form der Dialektik einlassen wollen. Für sie ist der Mensch ein Produkt seiner Entwicklung, an der er täglich arbeiten muss. Sie hat da eine einfache Philosophie, die auch ihre Reize hat. Jeder Tag sei anderes. Jeden Tag beginnt etwas Neues, dem wir uns Menschen stellen müssen.
Ich fahre also in die Redaktion und bin wieder mal gespannt wie ein Hund auf den Knochen, was ich heute wieder für eine Story schreiben darf. In der Redaktionskonferenz entsteht eine wilde Diskussion. Horst, der Spürfuchs der Redaktion, hat auf einem Flohmarkt ein paar alte Hefte gekauft. Ein alter Nazi, der gerne seinen alten Schund feil bietet, hatte ein paar ganz feine Raritäten, wie er meinte. Angeblich sind es wieder einmal Aufzeichnungen vom Führer.
Und weil niemand Lust hat, sich mit dem alten Krempel abzugeben, darf ich aus diesen Heftchen einen Artikel stricken.
Ich schreibe heute also über den Führer. Wenn das mein Vater wüsste, der sich zeitlebens über diesen dummen, bösen Faschismus geärgert hatte.
Ich blättere ein wenig durch die drei Heftchen, die vergilbt und fleckig wirken, als hätte jemand sein Butterbrot darin eingewickelt. Und was der Führer schreibt, ist ein einziges Jammertal. Der Titel könnte lauten. „Keiner liebt mich, obwohl ich der Führer bin.“ Es erinnert mich ein wenig an Heino, der auch nicht versteht, warum ihn nicht alle Deutschen lieben. Ach ihr Deutschen. Kein schöner Land, das mich so fragend macht. Ist die deutsche Seele ein alter Wackelpudding, den man nicht an die Wand nageln kann? Diese deutsche Seele ist einfach nicht fassbar.
Und was fange ich jetzt mit diesem Bekenntnis des Führers an? Ich wähle nur ein paar passende Passagen aus und frage mich, warum ist das radikal Böse am Schluss so lächerlich, ein Treppenwitz der Geschichte, der uns ewig im Halse stecken bleiben wird.
Und der Führer schreibt wirklich: „Ich bin ein Star, ein Popstar, der größte Stern am Himmelszelt. Ich könnte alle deutschen Frauen haben. Sie liegen mir zu Füßen und ich könnte sie alle pflücken wie frisches Obst. Stattdessen sitze ich hier im Führerbunker und die Kanonen fliegen uns um die Ohren.“ Der Führer hat also die Hosen gestrichen voll, denn niemand war ihm geblieben als seine Sekretärin und sein Hund. Eine echte deutsche Schäferhündin, die leider Blondie hieß. Aber dafür kann der Hund ja nichts. Doch der Führer leidet.
„Ich bin ein Monster. In meinen Träumen kämpfe ich wie Siegfried gegen einen Drachen, einer mörderischen Hydra und die Köpfe sind diese Judengesichter und ich schlage sie einem nach dem anderen ab. Aber es werden immer mehr und plötzlich greift mich diese Krake und zermalmt mich, zerdrückt mich und wirft mich ins ewige Feuer. Wie kann ich als deutscher Herrenmensch nur so undeutsche Dinge träumen? Die deutsche Rasse ist ein einziger Sauhaufen und ich sehe auch nicht aus wie ein nordischer Edelmann. Verdammte Scheiße, ich sehe aus wie ein türkischer Österreicher. Aber diesen Türken werden wir es auch noch zeigen, wenn sie noch mal vor mein geliebtes Wien kommen. Ja, küss die Hand Madam.“ Während der Führer überlegt, ob er eine Schönheits-OP machen soll, überkommt mich ein mulmiges Gefühl. Darf man so einen verniedlichenden Quatsch über den größten Verbrecher der Weltgeschichte schreiben? Und wieder zwickt und zwackt mich mein Gewissen. Nein, ein Sonneredakteur hat kein Gewissen. Ein Sonneredakteur hat nur eine blutige Unterhose, weil ihn die Hämorriden drücken. Doch es kommt noch besser. Der Führer träumt. „Ich träume von einem Leben mit Eva und Blondie. Nein, eigentlich will ich nur mit Blondie zusammen leben. Blondie ist mein Ein und Alles. Blondie ist meine große Liebe. Sie hat das Fell von dem ich träume. Das mit Eva ist schon doof. Jetzt haben wir geheiratet und ich bekomme einfach keinen mehr hoch. Ich würde so gerne ein Sexmonster sein. Morgen werden wir mit „Kraft durch Freude“ eine Reise in den Wienerwald machen. Und dort werde ich aus meiner Rippe eine neue Eva machen. Es stimmt einfach. Mir ist keiner gewachsen. Blondie bück dich, ich beglück dich. Warum bin ich nur das größte Arschloch der Weltgeschichte?“
Dem kann ich leider nichts mehr hinzufügen. Ich lege die Heftchen zur Seite, schenke mir einen Kaffee ein und weiß. Dieses Land wird noch viel Arbeit mit seinen ausländischen Mitbrüdern haben.
Wenn das der Führer wüsste.
Das Problem ist nicht die Atombombe
Als wir noch kalte Krieger waren, glaubten wir armen Ossis, der Westen wolle uns kalt machen. Und im Westen glaubten die Menschen, bald steht der Russe vor der Tür. Meist stand da zwar nur ein Staubsaugervertreter oder die Zeugen Jehovas und erzählten vom jüngsten Gericht, aber das war auch eine gewisse Form von Angst, wie sie das Wettrüsten der Supermächte provozierte. Aber da wir ja nun in Friede, Freude, Eierkuchen und den Freiheiten des freien Marktes leben, brauchen wir uns nicht mehr zu sorgen, dass uns morgen eine Atombombe auf den Kopf fällt.
Je länger ich vor mich hingrüble, ob das 20. Jahrhundert nur eine einzige Katastrophe war, wird mir bewusst. Ich bin eine kleine Umsatzhure. Das Kapital lässt mich Dinge tun, die ich früher nicht für möglich gehalten habe. Ich schreibe lächerliche, peinliche, aufgeblasene Storys und bekomme auch noch Geld dafür. Aber auch ich habe ein Herz, das ich jedoch meistens ausschalte, wenn ich in die Welt der bluttriefenden und angstmachenden Schlagzeilen gehe, für die wir eigentlich täglich geschlagen gehörten. Manchmal würde ich ja gerne eine Atombombe auf diesen Glaspalast werfen, eine kleine, treffende Mininuke, damit der Blödsinn ein Ende hat. Aber da ich als Ossi weiß, wie man sich an widrige Situationen anpasst, denke ich an den großen Albert Einstein, der den denkwürdigen Satz kreierte: „Das Problem ist nicht die Atombombe, das Problem ist das Herz des Menschen“. Ich denke, jeder Mensch hat ein Herz, nur die wenigsten zeigen es, können es zeigen oder sind auf der Hetzjagd durch die Zeit einfach eiskalt geworden. Und ich denke nur, lasst uns doch in Frieden mit euerer Gier.
Da die Gier, die Gier nach den Schönen und Reichen das Lebenselixier unserer Zeit ist, darf ich heute ein echtes Herzschmerzdrama schreiben. Eine Geschichte in der es um das große und einzigartige Glück der Liebe geht, das so leicht zerbrechen kann. Und weil Schauspielerinnen auch nur Menschen sind, die ihre Lebensrolle oft besser spielen als der Durchschnittsmensch, stellt sich die Frage. Welche Rolle spielt Gaby Blass jetzt?
Spielt sie die betrogene Ehefrau, die zur Mörderin wird? Greift sie zum Messer und entmannt ihren Ex, der sie so schamlos hintergangen hat? Dreißig Jahre war Gaby Blass mit ihrem Immobilienmakler verheiratet und dann kam das große Unglück. Joachim Blass, ein kantiger, erfolgreicher Geschäftsmann, überkam der dritte Frühling und er gönnte sich eine Frischzellenkur. Beim Bäcker war es passiert. Die niedliche Bäckereiverkäuferin hatte es ihm angetan. Täglich ging er zum Bäcker und je öfter er kam, um so heftiger wurde das Verlangen. ‚Mensch, meine Alte ist auch nicht mehr so frisch und überhaupt ist es eine Mordsarbeit mit einer Diva, einer beliebten Schauspielerin zusammenzuleben. Immer Figaro hier, Figaro da.’ Und die Zuckerschnecke aus der Bäckerei war einfach rund, frisch und lecker. So kam es zur Affäre ‚Alter Sack liebt junge Torte’.
Natürlich haben wir von der „Sonne“ die beiden knutschend im Cafe entdeckt. Ein gefundenes Fressen für die Skandaljäger unter der „Sonne“.
Gaby Blass wurde, als sie die Geschichte las, immer blasser und blasser. Die ganze Liebe, das ganze Glück, die ganze Illusion war einfach im Arsch. Zuerst bestritt er natürlich alles. Beschwichtigte, säuselte und raspelte, wie es nur ging. Aber es nützte nichts. Gaby Blass, die Schauspielerin mit der Natürlichkeit eines Gummibaums, der etwas in die Jahre gekommen war, war tief verletzt, sie wollte die Scheidung. Ich bin nur eine Frau für immer und wer mich betrügt, der bekommt was auf die Glocke. Ein Jahr hatte sich Gaby Blass aus dem Verkehr gezogen. Keine Presse, keine Filme, kein Orgasmus, denn sie wollte sich besinnen. Sie schrieb ein Buch. Der Titel? „Männer sind Scheiße!“ Sie ging in die Frauengruppe, verbesserte ihr Karma und bei Atemübungen und Kamillentee, erkannte sie. Ich bin eine Frau von Kopf bis Fuß und sie heulte. „Scheiße, ich brauche einen Mann. Eine Frau macht mich nicht glücklich. Ich bin hetero und will es bleiben.“
Was natürlich keiner weiß, außer den größten Journalisten unter der „Sonne“. Auch Gaby Blass hat ein kleines Geheimnis. Sie ist eigentlich eine kleine Herzneurotikerin. Gaby Blass schafft es nur zu gut, durch ihre Arbeit als Schauspielerin alles zu überspielen. Doch wenn sie daheim in ihrer Villa residiert, liest sie Todesanzeigen und glaubt der Sensenmann kommt und macht Hackfleisch aus ihr. Alles hängt mit ihrer Mutter zusammen, die sie immer auf Erfolg getrimmt hatte. Und so baute die Diva des deutschen Films, die Frau für alle Fälle eine brillante Fassade, um im Spiegel zu sehen. Ich bin die perfekte Rolle, die Rolle vorwärts, rückwärts und niemand merkt, wie es in mir rumort, wie dieses Gefühl in mir das Herz zerfräst. Auch ich bin sterblich und möchte doch für meine Fans unsterblich sein. Und ich möchte nicht mit einem Dildo verheiratet sein.
Aber alles halb so schlimm. Gaby Blass war neulich im Theater und hat einen echten Gentleman kennen gelernt. Ein Pinguin mit Smoking und Fliege und einem frechen Lausbubenlächeln. Na, dann passt ja wieder alles. Und im Altersheim freut sich vielleicht jemand über einen feurigen Dildo. Man kann doch so viel gutes tun. Denn es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Gut, dass wir darüber gesprochen haben, Gaby.
Ab wann die Hormone jubeln
Welcher Mann kennt das nicht. Man wacht auf und hat eine morgendliche Prachtlatte. Da wir im Traum alles verarbeiten was in uns rumort, unsere wildesten Phantasien ausleben und Annie sich immer fragt, warum ich nachts manchmal so genüsslich schmatze, hülle ich mich lieber in Schweigen und versuche sie nicht mit meinen Phantasien zu verstören. Ach, Schatz, wenn du manchmal wüsstest, was ich nachts alles so träume. Aber sie bleibt für mich die zarteste Versuchung, seit es Frauen gibt.
Ich laufe also mit diesem doofen Morgenständer zum Radio und lausche den morgendlichen Schweinereien meines Lieblingssenders. Radio Alpha1, der Sender für alle durchgeknallten Alphatierchen in dieser Stadt. Und Ronny, der Morningstar der Alphatierchen, lässt es wieder mal kräftig krachen. Denn heute gibt es ein Special, wo Männerherzen höher schlagen.
Durch das Herz von Berlin fährt eine fette Limousine und wer als erster an der Scheibe klopft wird nach Strich und Faden verwöhnt. Denn in dieser Limousine wartet Silvia. Und drei mal dürfen sie raten, was Silvia mit dem Gewinner macht. Ja, sie tut Dinge, über die viele Männer zotig kalauern und Frauen mit ihrer besten Freundin intim werden. Ja, sie treibt wilden, harten Oralsex. Denn Silvia ist ein Naturtalent, denn sie hat den Mund, das Feeling, das Timing, das gewisse Extra, wo Männer rasend werden, wo aus dem Aktenhengst ein wilder Stier wird. Bei diesem Blowjob sind die Männer reif für die Klapse. Da jubeln die Hormone, da stöhnt sich der Feinmechaniker ins Grab.
Und weil unser Chef weiß, was unsere Leser glücklich macht, darf ich über dieses Naturereignis, diesem Rausch der Sinne berichten. Ich bekomme nur ein leicht mulmiges Gefühl im Magen. Was tun, wenn mir bei Silvia der Pilz wächst? Ja, genau, immer nur an Tierfilme denken, denn bei Tierfilmen da gefrieren die Hormone, stehen unter Schock und die Libido schrumpft zu einem Nahnoteilchen.
Und wir sind also wieder mal hautnah, ganz nah für unsere Leser am wilden Leben. Der erste Kunde, der tollkühn und todesmutig an der Scheibe klopft ist Guido. Guido ist Bankkaufmann, ein waschechter Broker an der Börse. Ihn bringt eigentlich nur der DAX so richtig in Wallung. Wenn der Stier rast und die Kurse Kapriolen schlagen. Wenn allen im Saal die Kurse um die Ohren fliegen, dann läuft Guido zu Höchstform auf. Für den Bund war er zu klein, den trifft keiner und an der Börse ist er der Kleine mit dem großen Mundwerk. Guido ist verheiratet, aber der tägliche Kampf um Liebe und Anerkennung, die verlorenen Liebesschwüre, die ewige Suche nach dem G-Punkt und die freudlosen Besamungsaktionen lassen ihn an seiner Männlichkeit zweifeln. Nur wenn er auf dem Parkett wie ein Solotänzer seine Konkurrenten niederbrüllt, dann blüht er auf. Aber daheim ist er eine fleischgewordene Nervenprobe, wenn er tagelang nicht spricht und seine Frau eine debile Störung vermutet und alle Kummerkastentanten der Welt kontaktiert. Doch heute hat er seinen Auftritt. Zielstrebig wie ein Kleinbulle klopft er an die Scheibe von Silvias Liebesnest. Silvia geht heute als kleine Strapsmaus und wedelt freudig mit der Peitsche. Ah, wenn du zu Silvia gehst, dann erwartet dich die Peitsche. Und Guido schluckt, denn eigentlich will er in seinen wildesten Phantasien, seine Frau verprügeln. Doch heute bekommt er Prügel. Silvia, die Frau mit dem IQ einer 14-Jährigen, ist dumm wie Brot, hält den Bundeskanzler für einen Staubsaugervertreter, aber Silvia hat die Libido, die Lust, die Geilheit einer unersättlichen Sexgöttin. Sie weiß, was Männer wünschen und viele Frauen nicht können.
Nach zwei Minuten kommt Guido mit einem dummdoofen Grinsen aus der Limousine, räuspert sich und stöhnt, als hätte er gerade die 100 Meter in 5 Sekunden gespurtet. Gierig blickt er mich an und ich lass ihn erst mal ausschnaufen, lass ihn den Sabber aus dem Mundwinkel laufen. Und plötzlich entlädt sich ein uriger Lustschrei und Guido jubelt. „Ich fühle mich wie neu geboren. Ich bin so frei. Jetzt bin ich reif für den kleinen Tod. Ich werde eine Lustklinik gründen.“ Na, mal langsam, Guido, bei Silvia werden alle Männer ein bisschen gaga, aber wir wollen nicht gleich total ausflippen.
Und damit Guido nicht abdreht, kommt jetzt gleich der Arztcheck. Blutdruck, Puls, EKG und Prostata, alles wird durchgeprüft. Ist Guido nach diesem Sturm der irdischen Liebe fit, um auf dem Börsenparkett die nächste Aktienrallye durchzustehen? Der Arzt, Dr. Marx, ein Fachmann für alle Sexpatienten schüttelt den Kopf. „Na, ja, der Blutdruck 180 zu 120, da hilft nur eine kalte Dusche. Der Puls mit 130 heißt, sie sind bald klinisch tot und die Herzfrequenz zeigt ihr Herz steht auf dem Kopf. Also viel Bonbons lutschen und weniger Viagra, dann passt wieder alles.“
Und auch Silvia unsere Solistin aus dem Blasorchester wird von Dr. Marx inspiziert. „Was sind sie eigentlich vom Beruf?“ „Na, ich würde mal sagen, ich bin Dauerbläserin.“ „Wie, sie spielen Trompete?“ „Nein, ich blase den Männern den Marsch.“ „Aber das ist kein Beruf, das ist eine weibliche Krankheit, welche die Frauen zum Beruf machen.“ „Und wie viel am Stück waren es heute.“ „Na ja, ich halte den Rekord bei 532 Männern in 4 ½ Stunden.“ „Na, Halleluja, da bekommen sie ja Krampfadern in den Backen. Keine Muskelkrämpfe? Denn, da hilft Magnesium und die Durchblutung flutscht wieder wie beim ersten Mal.“
„Ach, Herr Doktor, ich glaube, ich bin kerngesund. Denn Sex ist ja die beste Medizin. Es hilft gegen Schlaganfall, Kopfschmerzen und Erkältung.“
Ja, Silvia, wer so gesund ist, der bleibt bumsfidel bis ins hohe Alter.
Das letzte Tabu
Gibt es eigentlich noch Tabus? Wir wissen doch schon alles. Geld, Sex, Männer, Frauen, Tod? Alle Themen sind doch schon von vorne bis hinten durchgenudelt worden. Vielleicht die Frage nach Gott könnte noch mal spannend werden. Warum gibt es auf dieser Erde verschiedene Religionen, die sich doch nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen können? Vielleicht gibt es ja bald einen Baukasten, ein virtuelles Set. Komm wir bauen uns einen Gott. Einen Gott für dies und das. Einen Gott für die Arbeit, die Kneipe, das Schlafzimmer. Ein Gott für Dicke, für Dünne, für Kluge, für Dumme. Was wollt ihr denn? Gott ist für alle da. Und alles für ein kleines Gebet. Manchmal, wenn ich in der Redaktion sitze, erwische ich mich bei dem Gedanken. Ach lieber Gott, lass einen großen Bums, eine göttliche Blähung und alle Dummschwätzer der „Sonne“ fallen um.
Denn heute geht es wieder mal um das Megathema. Nein, keine intimen Skandale aus der Politik. Es geht wie so oft um den nackten, puren Sex.Sex, Sex, Sex. Denn wir von der “Sonne” brechen jedes Tabu. Bei uns kann Jedermann offen und frei über seine Vorlieben reden. Eigentlich sind wir eine kleine Therapierunde, die nur frei sein will und hemmungslos übereinander herfallen will.
Detlev hat wieder einmal die Idee, die in die Hose geht. Wo Männer träumen und Frauen uns wieder mal zeigen, wie man es richtig macht. Denn Detlev weiß was Frauen wünschen. Sie wollen uns über ihre intimen Freuden erzählen. Wollen uns heiß machen, weich kochen, damit wir lechzen und sabbern. Ja, Baby, spiel mir das Lied vom Tod. Dem kleinen Tod, wenn der kleine Tod kommt.
Leider haben wir keinen Pfarrer in der Redaktion, der uns die Absolution erteilt. Aber Detlev, unser multifunktionaler Frauen- und Menschenversteher, steht uns auch hier helfend zur Seite. Er weiß, was unsere Leser wollen. Eine echte Orgasmusbeichte.
Und weil ich immer so treu, doof und naiv dreinblicke, darf ich mich heute als Sexualforscher betätigen. Und ich frage mich nur: Wer will eigentlich wissen wie viel Sex der andere hat? Warum wird das Intime öffentlich und das Öffentliche wird intim? Was befriedigen unsere Leser, wenn sie die Orgasmusbeichte ihrer Nachbarin lesen? Ach, deswegen schaut die immer so fröhlich. Gut durchgevögelt und alles im Leben ist paletti? Also, mich interessiert nicht, wie oft mein Nachbar, der Türke, seine Türkin besteigt.
Aber ich bin ja schon ein Jahr bei der „Sonne“ und mich kann nichts mehr erschüttern. Mein Kollege liefert mir ein wenig Hintergrundmaterial und schon die erste Meldung haut rein. „Wir haben im Leben 21 Stunden Orgasmus.“
Man glaubt es kaum, 21 Stunden. Am Stück? Sicher, mancher träumt von einem 21-Stunden-Orgasmus. Nur wie schaut jemand aus, der gerade einen 21-Stunden-Orgasmus erlebt hat? Wie der Glöckner von Notre Damme? Wie King Kong und die weiße Frau? Wie eine Mastsau, die einen Liter feinsten Samen abspritzt? Nein, wünschen wir uns lieber keinen 21-Stunden-Orgasmus, der geht in die Hose und macht uns zum Krüppel. Und wer will schon bei aller Sex-Phantasie als Krüppel enden?
Wir wiederholen. Wir haben also im Leben 21 Stunden Orgasmus. Bei einer Orgasmusgeschwindigkeit von 5sec./Stunde macht dies exakt 15120 Orgasmen. Ich bin fasziniert. Gehen wir von einer durchschnittlichen Lebensdauer von 75 Jahren aus, dann macht dies im Durchschnitt 1,78 Orgasmen pro Tag. Nicht schlecht. Einen Orgasmus kann ich noch verstehen, aber was machen wir mit diesem Dreiviertel-Orgasmus? Und da hilft mir die Kollegin von der Promiecke. „Ach, wenn ich ehrlich bin, das kenn ich. Aber lieber ein klitzekleiner Tod, als gar keinen Spaß.“ Wir fassen zusammen. Wir haben im Leben 21 Stunden Orgasmus, will heißen 15120 Orgasmen im Leben und dürfen uns schon beim Aufwachen auf 1,78 Orgasmen freuen. Und warum sehe ich in dieser Redaktion, in dieser Stadt immer so viele unbefriedigte Gesichter? Aha, ich verstehe, in Berlin wird einfach schlecht gevögelt, wird die Liebe von Mensch zu Mensch, der ungezügelte Austausch von Körpersäften nicht ernsthaft betrieben.
Womit wir bei unserer ersten Orgasmusbeichte wären. Eigentlich fühle ich mich nicht als Beichtvater, denn ich darf ja nicht verschwiegen sein wie ein Grab. Ich muss den ganzen Käse, die weiblichen Glücksgefühle auch noch Schwarz auf Weiß kommentieren.
Mein erstes Opfer ist Karin, eine niedliche Studentin, 23 Jahre jung, die es faustdick hinter den Ohren hat. Sie redet über ihr Liebesleben, als wäre ich ihr bester Freund, dem sie schon lange erzählen wollte, was unten herum bei ihr so abgeht.
„Wissen Sie, oder ich sag doch lieber du, ich habe ein Intimpiercing und das juckt und zwickt zwischen meinen Beinen. Da reicht es schon, wenn ich im Auto sitze und beim Wechsel zwischen Kupplung und Gas geht mir einer ab.“ Na, wer hätte das gedacht. Ich spüre wie meine Birne anschwillt und ich blicke sie rot wie eine Tomate an. Sie lächelt nur ganz frech und macht weiter. „Also, manchmal turnt mich schon der Steuerknüppel an und ich denke den ganzen Tag nur daran, wann ich es mit meinem Freund treiben kann.“ Ich notiere also, die Frau möchte am liebsten den ganzen Tag Sex haben. Wenn es schön macht. In der Theorie ist es ja so, dass wir 300 mal am Tag an Sex denken. Ich komme ins Grübeln. Was, wir wollen 300 mal am Tag unseren Nächsten oder die Nächste vernaschen? Oh Gott, das ist ja ‚Sex around the clock’. Gerade schaut mein Kollege zur Tür rein und will mit mir Essen gehen. Ich verneine nur und denke. Mensch Junge, du bist frisch verheiratet. Stimmt irgendwas nicht zuhause? Du willst mit mir doch ins Hotel gehen oder einen Kröver Nacktarsch trinken, Muscheln schlurfen und im Tiefen Tal der Superhexen schaukeln.
Doch Karin ist nicht zu stoppen. Sie will alles beichten, wirklich alles, sie will aller Welt zeigen, wie es abgeht, wenn bei ihr daheim das Bett brennt. „Also, erst geht es los mit einem leichten Kribbeln und dann bin ich völlig high. Ich fliege, ich könnte die Welt umarmen und meinem Hund das Fressen geben. Es ist einfach geil, unfassbar, wenn in mir die Post abgeht.“ Post? Briefträger? „Nein mit meinem Freund, der kennt meinen Punkt, wo ich abgehe wie ein Zäpfchen. Aber am liebsten mache ich es im Freien.“ Na, klar am Busen der Natur, da balzen die Tiere, da wird aus Karin die Stute, die sich jeder Hengst wünscht. Ich bedanke mich und wünsche ihr noch einen schönen Tag.
Und schon folgt die nächste Beichte, die uns zeigt, was Frauen wirklich wünschen. Es ist Petra, eine 43-jährige Mutter und Hausfrau. Auch sie öffnet ihren intimen Safe, den jede Frau besitzt und gibt offen und ehrlich Auskunft, warum sie ihren Mann liebt. „Sie müssen wissen, mein Mann ist ein echtes Tier. Er ist der Bulle von Berlin, bei dem brennt nichts an, der macht jeden Spaß mit. Schauen Sie, jetzt bin ich 43 und erst mit 35 hatte ich meinen ersten Turbo-Orgasmus. Ich weinte vor Glück und habe geschrieen wie eine brünftige Elchkuh.“ Ah, schöner Vergleich aus dem Tierreich, denn bei Tierfilmen bekomme ich keine Gefühle, da denke ich an Berliner Zoo und der ist einfach nur schön. Und Petra redet sich in Ekstase. „Wir haben es auch schon mal auf dem Fußballplatz gemacht. War echt gut. Der frische gemähte Rasen und die Vorstellung, 70 000 Menschen schauen uns gerade zu, war einfach orgastisch.“ Ich verstehe, dieser Film wird auch noch gedreht werden, in dem 70 000 Menschen im Berliner Olympiastadion beim Kamasutra der Elche zuschauen werden.
Und wieder habe ich etwas gelernt. Sex macht lustig, ist lustig und die Lust steigt, je mehr wir beim Sex lachen. Wenn nur der gute alte Freud wüsste, was wir hier heute so alles treiben. Die Menschen vögeln wie wild, schauen aber immer mehr etwas unbefriedigt, irgendwie so schlecht gevögelt.
Was stimmt da nicht?
Im heiligen Gral
Ich habe einen neuen Job. Juhu. Nach über einem Jahr in der Gosse des Boulevards beginnt ein neues Leben. Auch Annie glaubt, ich sei wie ein neuer Mensch. So gelassen, so fröhlich.
Und weil der Chef froh ist, dass er einen Querulanten weniger hat in seinen Reihen, will er mich in die hohe Kunst der „Sonne“ einweihen. Ich soll noch einmal spüren, was für eine Ehre es war für die „Sonne“ zu malochen. Ich darf ins Allerheiligste der „Sonne“. Im obersten Stock der heiligen Hallen ist die Halle des „Sonnengottes“.
Voll gespielter Gerührtheit betrete ich die heilige Kathedrale der „Sonne“. An der Wand prangt eine strahlende „Sonne“, darunter ein Bild des göttlichen Gründers der „Sonne“, seines Zeichens Franz Ringer. Er blickt verträumt, als hätte er gerade eine göttliche Eingebung und ich knie nieder und bete ein feuriges Hosianna für die Geschundenen unter der „Sonne“.
Und ich lese die Gralsgeschichte des heiligen Franz. Der Mann, der aus Scheiße Gold machte. Der Mann, der nach dem Krieg, als das glorreiche deutsche Volk am Boden lag, der geschundenen deutschen Seele wieder Hoffnung gab. Denn er ist das Genie, der Zeitungszar, der Sonnengott, der die „Sonne“ schuf. Denn seit es in diesem Land die „Sonne“ gibt, lacht die deutsche Seele, da umarmen sich die Menschen und frohlocken: „Oh, Franz, du machst uns glücklich. Was wären wir ohne die „Sonne“.“ Denn Franz Ringer ist der erste und letzte Heilige unter der „Sonne“. Ich weine vor Rührung. Was war nur der Gründer der „Sonne“ für ein göttlicher Mensch. Jede Stunde mit Franz war ein sicherer Gewinn. Er Therapeut, ein weiser Mann und Liebling der Frauen, denn er wusste warum Gott ihn liebt!
Er war ein todesmutiger Ringer für die Freiheit und die Liebe. Vor ihm verneigten sich die Götter. Denn hier war Götterdämmerung angesagt. Sein Herz war wie ein Amboss, an dem der russische Hammer zerschelte. Denn er war ein Kind der Freiheit, das wusste: „Und wenn auch die kalten Krieger frohlockten, er wusste um die reine Lehre der Freiheit.“ Denn für ihn zählte nur die Freiheit. Das Leben ist zu kurz, um es mit Stricken zu vergeuden. Er sammelte Orden, Lobreden und wenn er den Mund öffnete, dann flog goldener Atem aus seinem Munde. Denn er war der Goldjunge, der Mann mit dem Namen Franz, der Todesringer für die Liebe und die Freiheit. Und bis zum letzten Atemzug liebte er das pralle Leben, denn er wusste, Gott liest täglich die „Sonne“. Denn nur in der „Sonne“ stand, was Gott wirklich wollte. Er wollte einen deutschen Himmel unter der Sonne. Nein, dieser Mensch war einmalig, keiner konnte ihm das Wasser reichen, denn er verwandelte Wein in Wasser. Er war der Guru, der Erleuchtete, denn ohne ihn wäre in Deutschland das Licht ausgegangen. Wenn er sprach, da lachte die Sonne, da träumten alle Menschen vom Paradies und der Himmel öffnete sich und Gott rief: „Dies ist meine geliebte „Sonne“. Aber warum schreiben diese Vollidioten immer so einen verdammten Mist?“ Und hier wusste unser Franz immer eine passende Antwort: “Wir schreiben für die, die im Geiste arm sind. Denn auch die Doofen haben ein Recht auf Bildung.“
Während ich bei Gott weile, jagen die Jünglinge der „Sonne“ wie eine wild gewordene Büffelherde durchs Büro. Eine Schreckensmeldung jagt die andere.
„Sie wollen die Erde verschieben. Ist es die Mafia? Sind es Außerirdische? Oh, mein Gott, was sollen wir tun?“ Doch bevor die Erde verschoben wird, unter den göttlichen Hammer kommt, bevor dies geschieht, wird die „Sonne“ untergehen.
Und plötzlich steht der Chef mit einer Meldung im Raum und schaut als wäre gerade eine Elefantenherde durch die Redaktion getrampelt.
„Was soll das? Wir haben eine Einladung zum Festival der Dorftrottel.“
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